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Dringender Gesprächsbedarf
Dringender Gesprächsbedarf
Creditreform Unternehmermagazin
Krisenbedingt steigen die Anforderungen der Banken an Transparenz und Informationspflichten ihrer Kunden, was so manchen Unternehmer auf dem falschen Fuß erwischt.
Helene R. hat sich mit ihrem Friseurbetrieb vor rund drei Jahren mit damals acht Mitarbeiterinnen selbstständig gemacht. Bei der Existenzgründung konnte sie sich auf die Hilfe ihrer Hausbank voll und ganz verlassen. Das Institut stellte R. neben einem Überziehungskredit auf dem Geschäftskonto über 20.000 Euro noch einen Betriebsmittelkredit über 80.000 Euro zur Verfügung. Als Absicherung verpfändete R. eine Lebensversicherung mit einem damaligen Rückkaufswert von 45.000 Euro. Darüber hinaus bürgte ihr Ehemann
für den restlichen Kreditbetrag mit 55.000 Euro. Während sich der Betrieb in den ersten beiden Jahren zufriedenstellend entwickelte, gibt es seit etwa einem Jahr – vor allem bedingt durch die Wirtschaftskrise – erhebliche Probleme: Umsätze und Gewinne gingen seitdem erheblich zurück, so dass R. vor einigen Monaten sogar zwei Mitarbeiterinnen entlassen musste.
Überraschende Entwicklung
Zeitgleich mit dem Beginn dieser Krise gab es Irritationen mit der Hausbank, die R. von dieser Seite bisher nicht kennengelernt hatte. So wurde zunächst nicht nur jede Überziehung ihres Geschäftskontos über das Kreditlimit hinaus nicht länger zugelassen – es wurden sogar Lastschriften kommentarlos nicht eingelöst. Die mündliche Kommunikation, die allerdings auch vorher schon weder von R. selbst noch von ihrer Bank nicht gerade gepflegt worden war, fand zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr statt. So erfuhr
R. erst nach langem Hin und Her, dass der für sie zuständige Kreditberater „schon längst nicht mehr für diese Kundengruppe zuständig sei“. Die Situation eskalierte dann vor einigen Monaten, als ihr der für sie nun verantwortliche Bankmitarbeiter mitteilte, dass ihre Kreditakte nun von der „Kreditüberwachung“ bearbeitet werde. Damit, wurde R. weiter mitgeteilt, „liegt die weitere Vorgehensweise auf einer anderen Entscheidungsebene“. Etwa zur gleichen Zeit versuchte R., einen zusätzlichen Kredit bei der KfW-Mittelstandsbank
als öffentlicher Förderbank zu bekommen. Da auch hier die Hausbank eingeschaltet werden musste, blieb es bei dem Versuch. Diese erklärte sich außerstande, „ein weiteres Kreditvorhaben zu begleiten“.
Darauf hin erkundigte sich R. bei zwei weiteren Bankinstituten vor Ort, ob diese sich an dieser KfW-Finanzierung eventuell beteiligen würden. Nach einer jeweils relativ kurzen Prüfung der Kreditwürdigkeit von R. gab es allerdings auch hier Absagen.
R. blieb daraufhin nichts anderes übrig, als sich exakt im Rahmen ihrer mit ihrer Hausbank getroffenen Vereinbarungen zu bewegen. Das hieß im Klartext: keinerlei Überziehung über das Kreditlimit des Geschäftskredits hinaus und absolute Vertragstreue bei der Zahlung der Zins- und Tilgungsraten des Darlehens.
Nachdem einige Monate nichts Wesentliches passierte, kommt nunmehr Bewegung in die Angelegenheit. Ein Mitarbeiter ihrer Bank bat telefonisch um ein Gespräch, in dem über „sämtliche Aspekte der Geschäftsverbindung“ geredet werden soll. R. bat nach Rücksprache mit ihrem Steuerberater im Anschluss an dieses Gespräch um ein Schreiben, in dem die vom Bankmitarbeiter avisierten Gesprächsschwerpunkte konkretisiert werden sollten. Dieses Schreiben liegt nun vor und geht sehr ins Detail. So wird dort um Liquiditäts-
und Rentabilitätsberechnungen des Friseurbetriebes für die kommenden drei Jahre ebenso gebeten wie um eine möglichst detaillierte Standortanalyse. Darüber hinaus bietet die Bank ihrerseits ausführliche Informationen über die aktuelle Kreditbeurteilung von R. genau so an wie eine Offenlegung der bankinternen Bewertung ihrer Kreditsicherheiten.
Informationsoffensive nötig
Insgesamt begrüßt R. diese „Informationsoffensive“ ihres Kreditinstitutes, die sie bisher wie erwähnt nicht gewohnt war. Nach einem ersten Gedankenaustausch mit ihrem Steuerberater steht für R. fest, dass dieser an dem bevorstehenden Gespräch teilnehmen wird. Auf Grund der komplexen steuerlichen Hintergründe etwa der Bewertung des Betriebsvermögens sowie anderer Bilanzpositionen benötigt sie dort seine Kompetenz. Davon hat sie die Bank auch bereits in Kenntnis gesetzt.
Ein weiterer wichtiger Gesprächspunkt ergibt sich aus der Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Auswertungen des vergangenen Jahres sowie, aus der Sicht von R., aus der zukünftigen Begleitung ihrer Hausbank. Gerade in diesem Punkt verspricht sich die Unternehmerin einiges an Fortschritten, da sie erkannt hat, dass die zurückliegenden Monate nicht nur für ihren eigenen Friseurbetrieb, sondern auch für die Bankenlandschaft insgesamt zu erheblichen Verwerfungen geführt hat und sich gegenseitiges Vertrauen
oftmals erst wieder herausbilden muss.
Dieser Praxisfall, der zweifellos keine Ausnahme darstellt, zeigt einmal mehr deutlich, dass sich die Verhaltensweise beider Geschäftspartner offensichtlich immer noch am Zeitraum vor der Finanzkrise orientierte. Hier wurde mangelnde Kommunikation je nach Intensität der Verbindung durch eine für Bank und Kunde meist zufriedenstellende geschäftliche Entwicklung mehr oder weniger „kompensiert“. Dies ist in heutiger Zeit für beide Seiten nicht mehr Ziel führend.
Check-Liste: So halten Sie die Bank auf dem Laufenden
- Betriebsinhaber sollten die Zeichen der Zeit erkennen, die derzeit schwierige Situation beider Seiten akzeptieren und ab sofort regelmäßige Gespräche mit ihrer Bank mit konkreten Inhalten vor allem zu Kreditfragen führen.
- Zu einem solchen Gesprächsverlauf gehören auch allgemeine Finanzfragen etwa zur betrieblichen Altersvorsorge oder zu einer späteren Betriebsübergabe.
- Darüber hinaus kann die Hausbank auch als Helfer vor allem bei öffentlichen Finanzierungen sowie bei Kontakten zu Bürgschaftsbanken auftreten.
- Ebenso möglich ist die Einbindung des Kreditinstitutes bei betriebswirtschaftlichen Fragen. Hierzu sollte auch über ein erhöhtes Engagement des eigenen Steuerberaters nachgedacht werden.
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aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der
Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Michael Vetter
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