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Non Performing Loans - Transaktionen, Recht und Steuern
Non Performing Loans - Transaktionen, Recht und Steuern
Der Markt für Non Performing Loans (NLP) ist in den letzten Jahren stetig angewachsen. Deutschland steht
hinsichtlich des Volumens dieser Problemkredite heute mit einem geschätzten Marktvolumen von 160 bis 300 Milliarden
Euro nach China und Japan weltweit an dritter Stelle. Hintergrund dieser Entwicklung sind eine Reihe von
brancheninternen und -externen Faktoren. So führten die anhaltende Konjunkturschwäche und Fehlallokation von
Subventionen, insbesondere in die Bauwirtschaft in Ostdeutschland, zu einem Ausfall von Zins- und Tilgungszahlungen für
Kredite sowie dem resultierenden Wertberichtigungsbedarf. Darüber hinaus wirken sich der Wegfall der
Gewährsträgerhaftung und Anforderungen an die risikoadäquate Eigenkapitalunterlegung der Kredite gemäß Basel II in
steigenden Kapitalkosten aus. In jüngster Zeit haben deutsche Banken und Versicherungen jedoch die Initiative ergriffen
und sich in größerem Umfang für eine Veräußerung von Non Performing, Sub Performing oder Non Strategic Loans
entschieden.
Entwicklung der Marktseite
Nach einem schnellen Zuwachs der Transaktionsgrößen zwischen 2004 und 2005 auf ein Volumen von bis zu 3,6 Milliarden
Euro ist kurzfristig mit einem Konvergieren eines Großteils der Transaktionsvolumina deutscher Banken auf Größenordnung
unterhalb von 500 Millionen Euro zu rechnen. Während einige Institute den laufenden Abbau ihrer NPL oder SPL Portfolios
durch bereits öffentlich avisierte Platzierungen vorantreiben werden, hat eine Vielzahl der in der Vergangenheit
aktiven Geschäfts- und Hypothekenbanken das Potenzial ihrer transaktionsfähigen Problemkreditportfolios mittlerweile
nahezu ausgeschöpft.
Verkäufer
Dessen ungeachtet ist damit zu rechnen, dass bisher weniger aktive Portfolioverkäufer wie Sparkassen und
Versicherungen in den Markt eintreten werden. Während den größten Sparkasseninstituten eigene Transaktionen zuzutrauen
sind, steht ein abgestimmter Lösungsansatz für kleinere Sparkasseninstitute noch aus. Dabei ist an Alternativen wie
temporäre Kooperationen einzelner Institute, die Etablierung von NPL Plattformen durch Dachverbände oder kooperierende
Landesbanken zu denken. Schließlich kommen mögliche externe Plattformen in Betracht, um eine Prozessstandardisierung
und Kostendegression in der Veräußerung zu erreichen. Ein wesentliches Argument für den Rückgriff auf eine dieser
Alternativen besteht in der Zielsetzung, dem sonst drohenden Unterschreiten einer kritischen Mindestgröße von NPL
Portfolios, sowie der häufigen Abwesenheit einer erforderlichen IT-Infrastruktur und eines Informationsmodells Rechnung
zu tragen.
Mittelfristig ist als Folge des Eintritts von mittelgroßen Sparkassen mit der Reduzierung der Portfoliogröße auf
circa 50-200 Millionen Euro bei einer Steigerung der Transaktionsfrequenz zu rechnen. Voraussetzung für eine
Maximierung des Preises trotz des geringen Volumens des Portfolios seitens des Verkäufers wird es sein, eine
professionellere Vorbereitung der Transaktion als in der Vergangenheit zu leisten.
Gleichwohl unproblematisch zeigt sich indessen die Veräußerung einzelner größerer Unternehmenskredite (so genannter
„Single Names“). Die größere Anzahl der für dieses Segment des Distressed Debt Bereichs in Betracht
kommenden Investoren im Vergleich zu den etablierten Portfolio-Erwerbern dürfte ein wesentlicher Grund hierfür
sein.
Mit fortschreitender Reife des Marktes lässt sich für die Seite der Verkäufer beobachten, dass die anfangs
beobachtete Herangehensweise, eine solche Transaktion mit ausschließlich eigenen Kräften durchzuführen zurückgeht.
Sahen sich Investoren in 2003 im Datenraum noch einer ungeordneten Menge von unvollständigen Kreditakten des Verkäufers
gegenüber, verbesserte sich die Ausgangssituation langsam. Zunehmend wird auf das Erfahrungswissen von Externen
zurückgegriffen, welche dedizierten Teams vorhalten, die sich ausschließlich mit der Durchführung von NPL Transaktionen
beschäftigen. Noch vor kurzem zu beobachtende, an M&A Transaktionen erinnernde Herangehensweisen gehören damit
weitestgehend der Vergangenheit an.
In Anbetracht dieser Professionalisierung ist mit einer weiteren Reduktion von Transaktionsabbrüchen zu rechnen. So
verzichten viele Verkäufer zunehmend darauf, eigene Lernkurven zu beschreiten. Vielmehr werden bereits im Markt
etablierte Verfahrensweisen adaptiert, die für alle Seiten effizienzsteigernd und kostenreduzierend wirken.
Käufer
Weiterer Bestandteil der Marktentwicklung ist eine bereits zu beobachtende Veränderung auf der Seite der Erwerber.
Während im frühen Stadium des deutschen NPL Marktes Early Mover wie Lone Star dominierend auftraten und diese Stellung
erst sukzessive in der Reifephase abschmilzt, sind nunmehr Scheideprozesse im Markt feststellbar. Dabei wählen bisher
weniger erfolgreiche Investoren zwischen einem Ausstieg aus der Weiterverfolgung möglicher Auktionen einerseits und
einer bewussten personellen Verstärkung durch erfahrene Teams um die zukünftige Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen
andererseits. Vor dem Hintergrund dieser gleichzeitigen Entwicklungsrichtungen, kann gleichwohl die Zahlung von
Markteintrittsprämien für Investoren aus der Gruppe der Late Mover beobachtet werden. Anzumerken ist hierbei, dass
nicht nur für diese Market Player gilt, dass der Gewinn einer hohen Anzahl von veräußerten Portfolios nicht zwingend
mit einem Erfolg im Sinne einer risikoadäquaten Rendite gleichgesetzt werden kann. Ausschließlich in der
Innenbetrachtung wird dies ex-post feststellbar sein.
Entwicklung der Prozesse
Ähnlich der Weiterentwicklung des Marktkontexts, können einige Bereiche innerhalb des typischen Prozessverlaufs der
Transaktion beobachtet werden. Diese Entwicklung wirkt sich über eine Professionalisierung im Ablauf positiv für die
beteiligten Parteien aus. Ausgangspunkt dieser Entwicklung waren Ansätze, die entweder stark an den Charakter einer
M&A Transaktion angelehnt waren oder einer Securitization Transaktion ähnlich schienen. Reflektierend lässt sich
unsere Erwartung hinsichtlich zukünftiger Ansätze anhand einiger Kernpunkte zusammenfassen:
Der die Risikoposition von Verkäufer und Käufer fixierende Kaufvertrag erreicht über den Abschluss einer
signifikanten Anzahl von Transaktionen und die Teilnahme einer häufig ähnlichen Kombination etablierter Teilnehmer
einen Marktstandard. Indem zukünftige Transaktionen auf diesem aufbauen und eine Anpassung der Risiko/Rendite-Funktion
primär über die Preiskomponente erfolgt, profitiert die Geschwindigkeit der Transaktion.
Durch die Abnahme der durchschnittlichen Transaktionsvolumina und die erwartete Steigerung der Transaktionsfrequenz
sehen sich Verkäufer gezwungen, die Attraktivität der Portfolios zu steigern, indem eine verbesserte Aufbereitung von
Portfolio und Prozessen im Vorfeld geleistet wird.
Durch eine erhöhte Anzahl gleichzeitig stattfindender Transaktionen konkurrieren die Verkäufer zunehmend um
etablierte Investoren. Die Folge ist, dass der über längere Zeit etablierte zweistufige Prozess, welcher ein
unverbindliches Angebot seitens des Investors verlangt und häufig zur Selektion von Investoren genutzt wird, zukünftig
entfällt. Infolgedessen gewinnt eine der Transaktion vorausgehende subjektive aber marktpreisnahe Bewertung des
Portfolios durch den Verkäufer an Bedeutung.
Da durch das Überspringen des indikativen Gebots die (gleichwohl nur scheinbar belastbare) Marktindikation für den
Verkäufer entfällt, gewinnt besagte realistische Bewertung durch den Verkäufer abermals an Gewicht. In Kombination mit
der häufig schlechten Informationslage zum Kredit- und Sicherheitenbestand, erfordert diese Bewertung wiederum eine
intensivere Vorbereitung des Datenbestands und ein Verständnis des Verkäufers über die Bewertungsansätze aus
Investoren- bzw. Asset Manager-Sicht.
Dieser aus der Bewertungsnotwendigkeit resultierende Daten-Pool kann gleichzeitig als „Nebenprodukt“
einer so verbesserten Informationslage für den Investor dienen. Gleichsam komplementär stehen dieser verbesserte und an
der Praxis geschärfte Bewertungsmodelle der Investoren gegenüber. Darin wird zum einen der Grad der Landesspezifizität
gegenüber früheren Modellen erhöht worden sein – das heißt, relevante Werttreiber und deren Skalierung finden
verstärkten Einzug. Zum anderen kann eine zunehmende Anzahl von Investoren nunmehr auf erweiterte eigene Erfahrungen
aus dem Workout und realistische Einschätzungen hinsichtlich der Höhe und der Wahrscheinlichkeit zu erwartender Cash
Flows zurückgreifen.
Als Ergebnis steht zu erwarten, dass sich die zu Beginn des Marktzyklus für NPL/SPL in Deutschland 2003 zu
beobachtende „Erwartungslücke“ hinsichtlich der Bewertung der zur Disposition stehenden Portfolios schnell
verkleinern wird. Dies ist insbesondere der aus den oben genannten Faktoren resultierenden Informationstransparenz
einerseits aber auch der fortschreitenden Annäherung von Verkäufern und Käufern in der Anwendung und Parametrisierung
von Bewertungsansätzen geschuldet.
Der vorangestellte Text ist ein Auszug aus dem von Dr. Marco Wiedenhofer herausgegebenen Werk „NPL“, das
im Mai 2006 im Schäffer-Pöschel Verlag Stuttgart erschienen ist. ISBN-13:978-3-7910-2500-1
Zum Autor
Dr. Marco Wiedenhofer, MBA, ist Senior Manager im Corporate Finance Bereich bei Deloitte am Standort Düsseldorf.
Seit 2004 ist er verantwortlicher Senior Manager für die Service Line Distressed Debt Solutions und unterstützt
Investoren beim Erwerb von NPL Portfolios sowie Finanzinstitute bei deren Veräußerung.
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